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Yoga in der Schwangerschaft


Von Tina Nirtl

„Die buddhistischen Lehren sagen, dass jedes Lebewesen früher einmal unsere Mutter gewesen ist. Unser Geist wurde in allen möglichen Körpern wiedergeboren, seitdem wir Protozoen im Ursumpf waren. Also waren wir die Mütter aller Wesen.“[1] -Tsültrim Allione, tibetische Nonne und Mutter


Der Weg zur Mutterschaft, die Schwangerschaft und Babyzeit bilden einen besonderen Abschnitt im Leben der Frau und stehen am Beginn einer neuen Ära. Die Frau bringt das Kind zur Welt, doch erst durch das Kind wird die Mutter geboren.

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Mit der Schwangerschaft beginnt eine Zeit massiver körperlicher und geistiger Veränderung. Auch das psychische und emotionale Empfinden, in andern Umständen zu sein, wird subjektiv unterschiedlich erlebt.

Yoga in der Schwangerschaft bietet der werdenden Mutter Zeit und Raum sich mit dem eigenen, im Wandel befindenden, Körper zu beschäftigen. Hier entsteht Ruhe um mit dem ungeborenen Kind in Kontakt zu treten. Yoga, Meditation, bewusste Atmung  und gezielter Kraftaufbau bereiten optimal auf die Geburt vor.

Im Bereich des pränatalen Yogas sind die Elemente der Erdung, der Standhaftigkeit, und dem Vertrauen sich selbst gegenüber zentral. Das stete Üben von Yoga-Asanas unterstützt die schwangere Frau, ihren Körper immer wieder aufs Neue zu betrachten, seine Veränderungen anzunehmen und mit Achtsamkeit sich selbst und dem ungeborenen Baby gegenüber zu praktizieren.

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Für nahezu alle Positionen aus dem Ashtanga wie dem Hatha Yoga existieren Varianten, die in der Schwangerschaft während aller drei Trimester zu Kräftigung und Dehnung verhelfen und gesundheitsstiftend geübt werden können.

Viele Schwangerschaftsbeschwerden können durch Yoga gelindert oder geheilt werden. Stehende Yoga-Asanas lassen die Arbeit am Aufbau der Bein-, Gesäß-, Rücken- und Armmuskulatur zu. Dieser Muskelaufbau hilft dem Körper mit dem zusätzlichen Gewicht, dessen vorderseitiger Verlagerung und der hormonell bedingten Lockerung der Gelenke ohne Verspannungen, Nerven- und Gelenksschmerzen und Überdehnung im Bereich der Lendenwirbelsäule umzugehen.

Sitzende Haltungen geben Zeit die Aufmerksamkeit neben der Kräftigung auch auf Dehnung der Rückenmuskulatur, sowie der Arme und Beine zu richten. Die Arbeit an der Öffnung und Flexibilität des Beckens, sowie an der bewussten Lokalisation und Aktivierung des Muskelkollektivs im Beckenboden sind eine sinnvolle Vorbereitung auf die Geburt. Eine gekräftigte und dehnungsfähige Beckenbodenmuskulatur unterstützt außerdem die Rumpfstabilität und hilft bei der Rückbildung nach der Geburt.

Der Hauptfokus der Yoga Praxis gilt der bewussten und tiefen Atmung. Spezielle Atemtechniken sowie die reine Betrachtung der natürlichen Atmung verhelfen der Praktizierenden zu einem tieferen Körperwissen und  führen zu mehr Gelassenheit und innerer Ruhe. Was ebenso den Geburtsverlauf positiv beeinflusst.

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Atmung und Bewegung sind im Yoga-üben eng miteinander verbunden und bedingen sich wechselseitig. Durch die transversale und vertikale Erweiterung und Vergrößerung im Oberkörper, die durch die tiefe Atmung in Kombination mit der Dehnung der Asanas entstehen, erhalten Organe und Baby fühlbar mehr Platz im Körper der Frau. Im dritten Trimester, da die Atmung, bedingt durch die erreichte Größe des Babys meist flacher wird, wirken sich ebendiese Techniken angenehm und förderlich aus.

Yoga in der Schwangerschaft kann die werdende Mutter auf ihrem Weg durch alle Höhen und Tiefen begleiten, ausgleichend wirken und fördert das Wohlbefinden und die Gesundheit.


„Es gilt zu wissen, dass die allermeisten (90%) Schwangerschaften und Geburten regelrecht verlaufen und somit Normalzustand sind. Die werdende Mutter ist also keine Patientin – sondern eine schwangere Frau. Mir ist es wichtig zu vermitteln, dass viele der auftretenden Beschwerden nicht krankhaft sind, sondern dass das Kind auf seine eigene Weise auf sich aufmerksam machen will. Somit wird es einer Frau auf ganz natürlichem Weg möglich, sich an die verändernde Lebenssituation anzupassen. Das eine oder andere Ziehen in der Leiste oder im Kreuzbeinbereich oder die Einschlafprobleme müssen sein, um sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen: Wenn dieses Kind geboren ist, wird mein Alltag ein anderer werden. Damit es dann nicht so plötzlich kommt mit dem Anderswerden, gibt uns die Natur viele Wochen Zeit.“[2]
-Ingeborg Stadelmann, Hebamme und Autorin.

[1] Tibets weise Frauen: S. 39
[2] Stadelmann: S. 47