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Zwei Energy Bodies // Dan Michael & Susan Chiocchi


Viele von Euch kennen diese beiden liebenswürdigen Menschen bereits, die jetzt für zwei Wochen die Mysore-Klasse am Morgen übernommen und einen Wochenend-Workshop abgehalten haben. Beide sind langjährige Schüler von Richard Freeman und haben in dessen Yoga Workshop in Boulder, Colorado, unterrichtet, Michael tut das nach wie vor. Sie beschäftigen sich – wie übrigens auch Richard – auch mit Buddhismus, darüber hinaus gibt Dan Rolfing- und Susan Reiki-Behandlungen. Für die beiden ist heilende Energiearbeit der Oberbegriff, der die verschiedenen Praktiken, wie Yoga, Rolfing oder Reiki, miteinander verbindet.

 

Was ist Euer Background, wie kamt Ihr zu Yoga?

Susan: Ich habe Bildende Kunst studiert und dann als Graphikerin und Illustratorin gearbeitet. Anfang der neunziger Jahre kam ich nach Boulder, Colorado, und landete mehr oder weniger zufällig bei Richard Freeman im Yoga Workshop. Damals gab es ja nur zwei Yogastudios in Boulder.

Richard wurde schnell mein Lehrer. Ich hatte mich schon immer für das Funktionieren von Geist und Energie interessiert, hatte aber weder eine spirituelle Praxis noch Menschen, mit denen ich mich darüber austauschen konnte. Richard war der Erste, der ein offenes Ohr für diese Dinge hatte, denn sie beschäftigten auch ihn – nur mit dem Unterschied, dass er eine Yogapraxis hatte. 1999 machte ich bei seinem ersten Teacher Training mit. Ich hatte damals gar nicht vor, jemals zu unterrichten, ich wollte nur einfach mehr über Yoga erfahren. Parallel zum Teacher Training machte ich eine vierjährige Ausbildung an einer Energy Healing School, in deren Rahmen ich Reiki lernte und, insbesondere durch meinen Lehrer Tenzin Wangyal Rinpoche, mit dem tibetischen Buddhismus in Berührung kam. Mit Yoga, Reiki und dem tibetischen Buddhismus habe ich die Instrumente gefunden, mit deren Hilfe ich das tun kann, was mich interessiert: Heilen durch Energiearbeit.

 

Dan: Ich war schon als Jugendlicher physisch sehr aktiv. Rückblickend erkenne ich, dass ich Bewegung und Sport dazu nutzte, um meine Energie ins Gleichgewicht zu bringen. Damals dachte ich natürlich nicht so, ich wollte mich austoben, in der Natur sein, Rad fahren, klettern.
Insbesondere Klettern war meine große Leidenschaft: Nach der High School nahm ich immer ein paar Monate Gelegenheitsobs an – als Bergführer, in einer Teefirma, als Fahrradmechaniker und Verkäufer usw. –, bis ich genügend Geld beisammen hatte, um in aller Welt klettern zu gehen. Ich kletterte in Australien, in Frankreich, Kalifornien … – überall. Ich war ein „itinerant climber“, ein „Wanderkletterer“. Ja, ich war sogar im US-Team bei der Speedkletter-WM in der damaligen Sowjetunion mit dabei.

Schon damals glaubte ich nicht an die Schulmedizin, die mir zu teuer war und die ich auch als wenig wirksam empfand, und interessierte mich stattdessen für alternative Heilmethoden. Auch aus Geldmangel: Wenn ich mich verletzte, ließ ich mich alternativmedizinisch – mit Akupunktur, Massagen usw. – behandeln und reparierte dem Betreffenden dafür zum Beispiel sein Fahrrad.

Insofern hatte ich Glück, dass ich in Boulder geboren bin, das immer schon ein Zentrum für Outdoor-Aktivitäten und alternative Lebensführung – von alternativen Heilmethoden bis Yoga und Meditation – war.

Lange war ich der Tausch-Typ. Ich tauschte bestimmte Dienstleistungen, die ich gab, gegen solche, die ich bekam. So bekam ich auch das Angebot, ein Fahrradgeschäft in Moab zu eröffnen. Moab ist eine Kleinstadt in Utah, umgeben von einer grandiosen archaischen Landschaft aus Wüste, Felsformationen und Bergen – aber sonst ist dort nicht viel los. Ich sagte dem Geldgeber, okay, ich mache das für ein Jahr, bis das Geschäft etabliert ist, und danach bezahlt ihr mir eine Ausbildung. Und das taten sie auch. Ich ging für eineinhalb Jahre an ein Healing Center in Nordkalifornien und lernte dort eine Menge über Energiearbeit, Ernährungswissenschaft, Akupunktur und Meditation und kam auch erstmals mit Yoga, und zwar mit Iyengar Yoga, in Kontakt. Ich laborierte damals noch an einer früheren Kletterverletzung und stellte zu meiner Verwunderung fest, dass ich die Beschwerden durch Massage und Yoga wegbekam.

In Boulder setzte ich meine Iyengar-Praxis fort, kam aber zufällig einmal in eine Ashtanga-Klasse und konnte es nicht fassen, wie schnell die Übenden durch die Serie gingen – im Iyengar Yoga hält man ja jede Asana minutenlang. Nachdem ich ohnehin der dynamische Typ war und die meisten Asanas bereits kannte, wechselte ich von dem Augenblick an zu Ashtanga. Am meisten verblüffte mich, dass meine Heimatstadt Boulder dank Richard Freeman ein absolutes Ashtanga-Zentrum war – ich hatte davon nicht die leiseste Ahnung gehabt. Ich nahm an Richards Teacher Training 1999 teil und lernte dort Susan kennen. Nach Absolvierung des TT begann ich, in Richards Yoga Workshop  zu unterrichten – bis heute.

 

Ihr unterrichtet nicht nur Yoga, sondern macht auch sonst Energiearbeit …

Susan: Richtig, Energiearbeit ist der Oberbegriff. Die Techniken, die ich verwende, nämlich Yoga, Reiki und tibetischer Buddhismus, sind miteinander verbunden. Heute arbeite ich vor allem als Reiki-Therapeutin und biete eine Reiki-Ausbildung an. Wir beide machen auch Behandlungen zu vier Händen.

 

Dan: Im Laufe meiner Ausbildung am Healing Center bin ich auf „Structural Integration“, besser bekannt als Rolfing, gestoßen. Das mache ich jetzt als Therapeut. „Structural Integration“ kann man auch so verstehen: Wie kann ich integral – heil und ganz – bleiben, in herausfordernden Situationen, aber auch im übrigen Leben.

 

Gibt es Gemeinsamkeiten bei Rolfing und Reiki?

Susan: Dan und ich haben oft über unsere Arbeit gesprochen, und irgendwann sind wir draufgekommen: Wir reden eigentlich vom Gleichen, nämlich von alignment, der Ausrichtung und Readjustierung des Körpers, und vom Lösen von Blockaden, sodass die Energie wieder frei durch ihn fließen kann – eine energetisierende und heilende Arbeit. Dan arbeitet mehr auf der Ebene der Faszien, des Bindegewebes, der Gelenke und Gliedmaßen usw., ich mehr auf energetischer Ebene – aber es ist im Grunde das Gleiche.

Ihr habt eine beeindruckende Ashtanga Yoga-Praxis, Susan auf dem Niveau Advanced A, sprich 3. Serie, Dan sogar auf Advanced B, ist gleich 4. Serie …

Dan: Es stimmt, soweit sind wir in den Ashtanga-Serien gekommen. Aber mit den Jahren verliert es an Wichtigkeit, in welcher Serie, auf welchem Niveau man gerade steht. Heutzutage üben wir mehr so, dass wir an bestimmten Bewegungsmustern arbeiten, die in allen Serien zu finden sind – mal an diesen, mal an jenen.

 

Susan: Wir gleichen unsere Asana-Praxis jetzt mehr unserem aktuellen Befinden an. Weniger Ambition, mehr: Wo stehe ich, wie geht es mir jetzt gerade, was brauche ich? Manche sagen ja, die Asanas machen uns körperlich soweit fit, dass wir dann für längere Zeit gut in der Meditationshaltung verharren können. Man könnte das auch weiter fassen: Am Beispiel der Schwierigkeiten, denen wir in unserer Asana-Praxis begegnen, lernen wir, überhaupt besser mit den Herausforderungen in unserem Leben zurechtzukommen.