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Die „Boulder Connection“


Mysore-Boulder-Wien – ein Dreieck, das für uns in der Yogawerkstatt Bedeutung hat. Unsere Lehrer Richard Freeman und Mary Taylor leben in Boulder, Colorado, und Senior Teachers wie Dan Michael und Susan Chiocchi, Matt Champoux und Ty Landrum, die zeitweilig bei uns Mysore-Klassen und Workshops abhalten, kommen von dort. Und Mysore? Ist das Fundament der Asana-Praxis, in Boulder genauso wie bei uns in Wien.

Von Sascha and Romana Delberg

 

Letztes Jahr war Matt Champoux bei uns in der Yogawerkstatt, übernahm zwei Wochen lang die Mysore-Morgenklassen und hielt einen Workshop ab. Dan Michael und Susan Chiocchi wiederum, die jetzt im März ebenfalls für zwei Wochen Mysore plus einen Workshop – mit wunderbarem Feedback, siehe Blog! – hier waren, haben eben erst ihre Koffer gepackt und sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Und schon ist Ty Landrum im Anflug und wird drei Tage Mysore (7.-9.6. & 12.6., Näheres hier) unterrichten und einen dreitägigen Workshop (9.-11.6., Details hier) veranstalten.

Wir können nur sagen, nutzt die Gelegenheit! Die Mysore-Klassen kosten Euch keinen Cent mehr als die normalen. Ihr kommt einfach mit Eurer üblichen Monats-, Mysore- oder sonstigen Karte – der Preis ist der gleiche. Das gilt für alle GastlehrerInnen aus aller Welt, die zusätzlich zu ihren Workshops auch Mysore bei uns unterrichten. Dieser Input durch sehr kompetente Gastlehrer geht sozusagen „aufs Haus’’.

 

The Yoga Workshop in Boulder, Colorado

Was haben Dan und Susan, Ty und Matt gemeinsam? Sie kommen aus bzw. leben in Boulder, sind Senior Teachers und sind alle durch die Schule des Yoga Workshop gegangen. (Die Namensähnlichkeit mit uns ist zwar purer Zufall, entpuppte sich aber als erstaunlich schicksalshaft für uns)

Dan und Susan haben am ersten Teacher Training des Yoga Workshop im Jahr 1999 teilgenommen und beide dort unterrichtet, Dan tut das bis zum heutigen Tag. Matt stammt aus Boulder, war schon als Teenager im Yoga Workshop anzutreffen und unterrichtet jetzt in San Francisco. Und Ty Landrum hat den Yoga Workshop vor 2 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Shayan übernommen.

Sie alle haben ihr Handwerk in Richard Freemans Yoga Workshop gelernt und bringen diesen ganz besonderen „Boulder-Flavor“ in den Mysore-Unterricht ein. Dieser Boulder-Touch wurde von Richard Freeman und seiner Frau Mary Taylor geprägt und wird bis zum heutigen Tag an ihre Schüler fast „subkutan“ weitergegeben.

 

 

Wer ist Richard?

Richard, der Elder Statesman des Ashtanga Yoga, ist von seinem Naturell und intellektuellen Zuschnitt her eigentlich der Typ des angelsächsischen Gelehrten und Universitätslehrers. Wenn das nicht so ein schreckliches Klischee wäre, könnte man ihn sich gut mit Tweed-Sakko, Rollkragenpullover und Pfeife an einer englischen oder Ivy League-Uni vorstellen. Er hat ja auch Philosophie studiert. Trotzdem sind die Dinge anders gekommen – und auch wieder nicht. Nachdem er bereits viele Jahre intensiv bei Yogacharya B.K.S. Iyengar gelernt hatte, eine Weile als Schriften rezitierender „weißer Brahmane“ durch Indien gestreift war, traf er schließlich auf Shri K. Pattabhi Jois und wurde einer seiner Senior Students.

 

Die beiden verstanden sich gut, denn Jois war ebenfalls ein Gelehrter, sie konnten sich auf Sanskrit unterhalten, da Richard, wie dazumals Schopenhauer, Sanskrit lernte, um die alten Texte besser zu verstehen. Jois‘ achtgliedriges Ashtanga Vinyasa Yoga-System war ganz nach Richards Geschmack, denn es beschränkt sich nicht aufs Üben von Asanas, sondern hat auch ethische und spirituelle Aspekte, die erst zusammengenommen „Yoga“ ergeben.

1987 eröffnete Richard gemeinsam mit seiner Frau Mary Taylor  den Yoga Workshop in Boulder.

Richards SchülerInnen lernen in seinen Advanced Trainings nicht nur klassische Texte wie die Sutras des Patanjali, die Hatha Yoga Pradipika oder die Bhagavad Gita kennen, sondern auch exotischere wie etwa wie die Yoga Vasistha oder die Yoga Taravali. Der Mann kann, wie gesagt, Sanskrit und ist bereit, willens und fähig, „to dig deeper“. Ein besonderes Interesse hat er für die Berührungspunkte zwischen Yoga und Buddhismus – wir übrigens auch.

Wer Essentielles über Yoga hören möchte, sollte sich Richards mehrstündigen, in freier Rede gehaltenen Talk „Yoga Matrix“ anhören.

 

Seine yogische Philosophie lässt sich in seinen eigenen Worten so zusammenfassen: „The purpose of the practice is to expose reality.“

Das yogische Instrumentarium ist für ihn ein „Spiegel“ der Selbstbefragung und -erforschung, mit dessen Hilfe wir unserem Geist bei seiner unruhigen Arbeit zusehen, um uns selbst – oder das, was wir glauben zu sein – erkennen können. Weshalb auch sein Buch „The mirror of Yoga“ heißt. Nach Richards Auffassung erschließt uns das gemeinsame Üben von Asanas und Ethik zugleich weitere yogische Komponenten, nämlich Pranayama (Befreiung des Pranas/Arbeit am Atem), Pratyahara (Umkehr der Sinnesausrichtung) und Dharana (Konzentration), und mit etwas Glück Momente tiefer Stille und Verbundenheit.

Auch wir dürfen uns zu Richards und Marys langjährigen und on-going Schülern zählen. Wir haben etliche Teaching Intensives mit ihnen absolviert und ihnen dabei auch assistiert. Auch einige LehrerInnen der Yogawerkstatt haben bereits Trainings bei den beiden in Boulder bzw. auf Koh Samui absolviert.

Richard hat uns in den letzten Jahren dreimal mit Workshops in Wien beehrt, und weitere in Planung.

 

Mysore-Unterricht in der Yogawerkstatt

Wir wollen uns hier nicht als Rekordhalter darstellen. Trotzdem wird man, ganz nüchtern festgestellt, nicht so bald ein Yogastudio in dieser Stadt finden, das so viele Mysore-Klassen in der Woche anbietet wie wir. Aktuell sind das Montag und Freitag je 3 Stunden in der Früh und 2 am Nachmittag; Dienstag bis Donnerstag je 5 Stunden am Stück, wobei der Einstieg jederzeit möglich ist; Samstag 2 Morgen- und Sonntag 2 Nachmittags-Stunden.

Das liegt daran, dass wir uns – nicht ausschließlich, aber hauptsächlich – als Studio verstehen, in dem Ashtanga Vinyasa Yoga unterrichtet wird. Und in diesem Yogastil wiederum legen wir unseren Schwerpunkt auf Mysore-Einheiten.

Es ist die traditionelle Art, Yoga zu lernen: Der Schüler, die Schülerin bekommt vom Lehrer Asanas, mit denen er/sie arbeitet. Sobald er/sie mit dem jeweiligen Asana vertraut ist, werden weitere gegeben. Der Lehrer gibt Hilfestellungen und Hinweise. Shri K. Pattabhi Jois hat normalerweise Mysore-Klassen abgehalten und nur einmal in der Woche, am Freitag, eine geführte Einheit gegeben. Diese Art des Unterrichts gibt dem Schüler, der Schülerin die Verantwortung für seine/ihre Praxis (zurück).