

Yoga ist eine jahrtausendealte Wissenschaft, die sich mit moralischen Werten, mit körperlichen und emotionalen Faktoren zur persönlichen Weiterentwicklung beschäftigt. Ashtanga Yoga bezeichnet das „Acht-Stufensystem", welches um 200 bis 400 v.Ch. von dem indischen Weisen Patanjali systematisiert und niedergeschrieben wurde. Ashtanga Vinyasa Yoga setzt auf diesem „achtgliedrigen Pfad“ auf, es ist eine traditionelle Methode, die von Sri K. Pattabhi Jois von Mysore, Indien, aus seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts verbreitet wird.
Das wesentliche Merkmal des Ashtanga Vinyasa Yoga ist die Synchronisierung von Atem und Bewegung. Jede Position, jedes Asana wird mit der Einatmung eingeleitet und auf einer Ausatmung beendet. Auf diese Weise wird ein Asana mit dem nächsten zu einer fließenden Übungssequenz zusammengefügt.
Drishtis
In jeder Position wird ein spezieller Blickpunkt gehalten. Diese so genannten Drishtis bzw. Konzentrationspunkte unterstützen den Fokus, helfen, die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken, geben einen Hinweis auf die korrekte Haltung des Kopfes, schützen aber auch vor einer Fehlstellung oder Überdehnung der Halswirbelsäule.
Die neun traditionell gelehrten Drishtis:
1) aufwärts (Richtung Himmel)
2) drittes Auge (der Punkt zwischen den Augenbrauen)
3) Nasenspitze
4) Handfläche
5) Daumen
6) rechte Seite
7) linke Seite
8) Richtung Nabel
9) Fuß/Zehen
Bandhas
Das sind Energieverschlüsse im Körper, die während der gesamten Ashtanga Vinyasa Praxis gehalten werden. Einfach erklärt, erzeugen und halten „Mula Bandha" und „Uddiyana Bandha" Hitze im Körper und bilden die Kraft, um eine große Anzahl von Positionen und Bewegungen zu ermöglichen. Uddiyana Bandha unterstützt zudem den unteren Rücken und beugt Verletzungen der Leistengegend vor; Jalandhara Bandha soll die Energie am oberen Ende der Wirbelsäule im Körper halten, Mula Bandha (Aktivierung des PC Muskels des Beckenbodens) sorgt durch die Annäherung des Steißbeins zum Schambein für eine Aufrichtung der Wirbelsäule und somit für eine gleichmäßige Aktivierung des gesamten Muskel-, Bänder- und Sehnenapparats. Alle drei Bandhas haben unterschiedliche Einflüsse auf verschiedene Organe und Körperfunktionen.
Die drei Bandhas im Einzelnen:
Mit dem Mula Bandha oder Wurzelverschluss (abwärtsgerichtete Energie) wird der Beckenbodenmuskel zwischen Anus und Geschlechtsorganen angezogen.
Uddiyana Bandha oder Nabelverschluss (aufwärtsgerichtete Energie): Der Nabel wird gleichzeitig in Richtung Wirbelsäule und nach oben gedrückt.
Jalandhara Bandha oder Kinnverschluss: Das Kinn wird in Richtung Brustbein gedrückt. (Dieses Bandha wird am seltensten angewandt, zB in der Schlusssequenz von Salamba Sarvangasana bis Pindasana).
Die Bandhas zu halten kann sich am Anfang bei gleichzeitiger Konzentration auf Atmung und Bewegung als sehr herausfordernd erweisen. Wobei es, speziell, was Mula Bandha betrifft, oft Jahre dauern kann, bis man einen Bezug dazu aufbaut. Das ist kein Grund, an sich zu zweifeln. Es ist vielmehr ratsam, sich die Bandhas während der Praxis immer wieder in Erinnerung zu rufen. Mit der Zeit stellt sich das Gefühl dafür von alleine ein.
Ujjayi-Atmung
Ujjayi bedeutet im weiteren Sinne Ausdehnung bzw. Verlangsamung der Atmung, wobei das In-die-Länge-Ziehen sowohl der Ein- als auch der Ausatmung mit einem Geräusch einhergeht, das durch die Verengung der Stimmritze zustande kommt (dh: das Atemgeräusch entsteht im Kehlkopf). Der sanfte und durchgängige Laut hilft, den Atem in einen gleichmäßigen Fluss zu bringen und im Körper Hitze zu erzeugen, hervorgerufen durch die Stimulierung der Schilddrüse und die Reibung am Kehlkopf. Die meisten Menschen haben eine unterschiedlich lange Ein- und Ausatmung, daher ist es hilfreich, anfänglich mitzuzählen, um das Ziel – gleichmäßige, fließende, kräftige, aber dennoch sanfte Ein- und Ausatmung – zu erreichen.
Die Serien
Ashtanga Vinyasa Yoga ist in Serien aufgebaut, die wiederum aus einer festgelegten Abfolge von Asanas (Körperhaltungen) bestehen.
Hat man die erste Serie abgeschlossen, so wird traditionell eine Position nach der anderen aus der zweiten Serie dazugelernt, um Kraft und Ausdauer aufzubauen. Sobald man alle Positionen annähernd beherrscht, kann man beginnen, die Serien getrennt zu üben.
Jede der Serien hat einen speziellen Schwerpunkt hinsichtlich der Absicht und Wirkung. Die erste Serie wird auch „primary series“ bzw. Yoga Chikitsa, die Yoga-Therapie, genannt. Sie soll den Körper reinigen und wieder korrekt ausrichten. Der Schwerpunkt der Übungen liegt auf den Vorwärtsbeugen und den hüftöffnenden Übungen. Eine gut erarbeitete erste Serie ist die Grundlage für die weiteren Übungsreihen.
Die zweite Serie oder auch „intermediate series“ (Nadi Shodana in Sanskrit) bringt die Ashtanga Vinyasa Yoga Praxis von einer physischen auf eine energetische Ebene.
Nadi Shodana bedeutet Reinigung der Energiekanäle, durch die der Fluss des Prana (= Energie) aktiviert und harmonisiert wird.
Die zweite Serie arbeitet vor allem an der Flexibilität, Öffnung und Stabilität des Rückens und wirkt dadurch auch stärker auf das Nervensystem; die fortgeschrittenen Serien erfordern noch mehr Kraft, Stehvermögen und Konzentration.
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