Yogastile

Um ein wenig Klarheit in die unterschiedlichen Yoga Arten zu bringen, findet Ihr hier eine sehr kurze und vereinfachte Darstellung:


BHAKTI YOGA

das Yoga des Herzens. Über Verehrung und Anbetung des Göttlichen wird das eigene Ego (Verstand) überwunden. Oft wird Spiritualität mit Religion verwechselt. Religion basiert auf dem Glauben, dass jemand etwas für Dich tut. Spiritualität, jedoch, basiert auf Deiner eigenen Erfahrung, etwas, das Du durch Dein eigenes Bemühen erreicht hast.


KARMA YOGA (Karma = Handeln)

Wenn wir unser Leben in den Dienst anderer Stellen, ohne eine Gegenleistung oder Belohnung zu erwarten. Mahatma Gandhi, Mutter Theresa oder Sri T. Krishnamacharya sind Beispiele für Karma Yogis.


JNANA YOGA [njana]

Das Yoga der Weisheit. Eine Weisheit, die uns zu unterscheiden hilft zwischen Wahrheit und Unwahrheit. Um letztlich von dem, was unwahr ist loszulassen. Z.B. durch Lesen der Schriften


RAJA YOGA (raj = König)

(basiert auf der Sankhya Philosophie)

Der Yogaweg über Meditation zu einer höheren Bewusstseinsebene. Auch Patanjali Yoga genannt. Der Verstand (Citta) wird verfeinert und soll unseren Zwecken dienlich gemacht werden (nicht umgekehrt) bis zum Erreichen des höchsten Zieles, der Selbstverwirklichung (Samadhi).

Patanjali ist der Autor der Yoga Sutren. In diesem Werk, bestehend aus 196 Sutren (wörtl. Fäden), beschreibt er den Weg zur Selbstfindung, dem höchsten Ziel.


Es gibt Acht Stufen auf diesem Weg, daher auch Ashtanga Yoga genannt.

Die 8 Stufen sind:


1 – Yama

2 – Nyama

3 – Asana

4 – Pranayama

5 – Pratyahara

6 – Dharana

7 - Dhyana und

8 - Samadhi


1 - Yama bezeichnet das Verhalten gegenüber unserer Umwelt.


Wird in 5 Unterpunkte unterteilt:

1.1. Ahimsa (Bewahren und Respektieren aller Lebewesen)

1.2. Satya (der Gebrauch der Sprache in einer rücksichtsvollen Art und Weise)

1.3. Asteya (das Respektieren fremden Eigentums, der Mitmenschen, sowie Naturbestände)

1.4. Brahmacharia (der vernünftige Umgang mit unserer (Lebens-)Energie)

1.5. Aparigraha (Mäßigung in Ernährung und Anhäufung materieller Güter)


2 - Nyama bezeichnet wie wir leben, wenn „keiner hinschaut.“


Die 5 Unterpunkte sind:

2.1. Saucha (Reinlichkeit)

2.2. Santosha (Genügsamkeit)

2.3. Tapas (Erzeugen von Hitze - durch Pranayama, Asana, Bandhas, Mudras)

2.4. Svadyaya (Selbststudium)

2.5. Ishwara Pranidana (sich der Kraft der Schöpfung bewusst werden)


3 - Asana

Die Körperstellungen oder Asanas bringen eine körperliche und geistige Gesundheit. Das 46. Sutra von Patanjali gibt hinsichtlich Asana eine genau Angabe „Sthira Sukham Asanam“ eine Yogaposition soll kraftvoll und entspannt sein; „kraftvoll“ definiert den körperlichen Aspekt und „entspannt“ den geistigen, verbunden durch die Atmung.

Das Yoga-Angebot im Westen beschränkt sich oft auf diesen Zweig des Yoga. Diese Stufe ist für uns (im Westen), aber auch der einfachste und logischste Zugang zum Yoga. Einerseits definieren wir uns oft über unseren Körper, anderseits „vernachlässigen“ wir oft unsere Körper aufgrund des modernen Lebensstils, wo wir zu wenig Bewegung machen. Insofern ist der körperliche Zugang zum Yoga ein legitimer. Wird jedoch „Asana“ über einen langen Zeitraum, ohne Unterbrechung mit einer gewissen Ernsthaftigkeit praktiziert, wird ein Verständnis und Respekt für uns und andere Lebewesen wachsen (Yama und Nyama). Oft stellen sich Veränderungen im Lebenstil und bei unserer Ernährung ein.


4 - Pranayama (Atemregulierung, Atemausdehnung)

Unsere Atmung reflektiert unseren Geisteszustand. Wenn wir umgekehrt unsere Atmung bewusst regulieren, nehmen wir Einfluss auf den Geist und den Verstand. Durch Pranayama nehmen wir direkten Einfluss auf unser Nervensystem. Es ist eine subtilere Form der Yogapraxis. Oft wird es vor der Asanapraxis morgens durchgeführt.



5 - Pratyahara, die Brücke zwischen dem Groben und dem Feinen, den physischen Aspekten unserer Yogapraxis und den subtileren Aspekten. Die Wahrnehmung zieht sich vom „Aussen“ zurück.


6 - Dharana, Konzentration. Die Aufmerksamkeit wird zur Gänze auf ein Objekt gelenkt (zB. Mantra, Bild,...) um andere Objekte auszuschließen. Unruhige Gedanken können noch immer vorhanden sein, doch auf diese wird nicht reagiert. Diese und die weiteren Stufen können wir nicht mehr aktiv machen, sondern sie entfalten sich nach langer Yogapraxis.


7 - Dhyana (Meditation, die Abwesenheit von Gedanken und ein Gefühl des „Einsseiens“. Wenn die Konzentration(Dharana) über eine lange Zeit gehalten werden kann. Letzlich führt diese Stufe zu einem Auflösen der Dualität. Der Beobachter und das Objekt verschmelzen.


8 - Samadhi

Selbstverwirklichung oder reines Bewusstsein. Glückseligkeit stellt sich ein.




TANTRA YOGA

eine ganzheitliche Herangehensweise. Es basiert auf Kundalini Yoga. Tantra Yoga versteht das Verlangen als Hauptantriebskraft und es erwartet von seinen Aspiranten keine Verleugnung des Verlangens. Tantra Yoga behauptet, dass das Verlangen natürlich ist, solange wir in unseren Körpern sind.


KUNDALINI YOGA

Zum besseren Verständnis des Kundalini Yoga zuerst eine kurze Einführung in das Prinzip der Nadis und Chakren:

Durch unseren Körper führt ein Netzwerk aus 72000 Energielinien (Nadis). Ähnlich den Nerven, nur subtiler, verlaufen sie vermehrt im Bereich der Wirbelsäule, wo sie Ballungszentren bzw. die Chakren bilden. Die zentrale Energielinie (Sushumna Nadi) verläuft entlang der Wirbelsäule und sie führt auch durch alle sieben Chakren. Interessanterweise stimmt der Sitz dieser Chakren mit dem der wichtigsten Drüsen in unserem Körper überein.

Im Kundalini Yoga visualisiert man eine zusammengerollte Schlange beim ersten (Muladhara) Chakra an der Basis der Wirbelsäule. Es ist eine nicht aktivierte Energie (shakti), die solange ruht, bis sie durch Köperübungen (Asanas), Atemtechniken (pranayama) und Mudras (komb. aus Asanas und Bandhas) erweckt wird. Sie wandert langsam durch die Chakren zum obersten (Anahata) Chakra, dem Sitz des Bewusstseins (Shiva). Wenn diese Energie das letzte Chakra durchstößt, verbinden sich weibliche und männliche Energie und es heißt, dass die Dualität durchbrochen wird und sich ein Zustand von Glücksseligkeit einstellt.


HATHA YOGA

Der Körper wird als ein Tempel des Göttlichen gesehen, daher ist es notwendig ihn rein und ordentlich zu halten. Dies führte zu Hatha Yoga, wo der Körper für eine spirituelle Praxis vorbereitet wird. Es ist aber keineswegs eine rein physische Praxis. Wie auf einer Leiter führen die ersten Stufen (das Hatha Yoga) zu den letzten Stufen, dem Raja Yoga. Hatha besteht aus den Silben ha und tha, die für Sonne und Mond stehen bzw. das weibliche und das männliche Prinzip. Diese ins Gleichgewicht zu bringen ist das Ziel des Hatha-Yoga.

Es beinhaltet Asanas, Pranayama, Kriyas (Reinigungstechniken) und Mudras. Außerdem wird ein besonderes Augenmerk auf die Ernährung gelegt. Diese soll schmackhaft, nahrhaft, leicht verdaulich sein und nicht im Übermaß eingenommen werden. Die Reinigungstechniken sollen die Blockaden an den Nadis lösen, sodass die Lebensenergie (Prana) wieder frei fließen kann.



Verschiedene Yogastile – alle unterschiedliche Vorgangsweisen innerhalb des HATHA YOGA:


Im 20. Jahrhundert haben sich im (Hatha) Yoga verschiedene Schulen entwickelt. Die Begründer der 3 vorherrschenden Schulen (Ashtanga, Iyengar und Viniyoga) waren Schüler von Sri T. Krishnamacharya, dem „Vater des modernen Yoga“. Zwei andere Stile – Integral und Sivananda – wurden von Schülern von Swami Sivananda begründet.


Die unterschiedlichen Stile unterscheiden sich vor allem in ihrer Schwerpunktlegung und Auswahl der Körperstellungen.


Astanga Vinyasa Yoga ist ein Yoga System, welches durch Sri K. Pattabhi Jois, Mysore, Indien bis in den Westen verbreitet wurde.


Es ist in Serien aufgebaut, wobei jede dieser Serien in speziell zusammengestellte Übungssequenzen festgelegt ist, die ihrerseits wiederum einen Einfluss auf unseren Körper und Geist nehmen.


Das wesentliche Merkmal des Ashtanga Vinyasa Yoga ist die Synchronisierung von Atem und Bewegung. Jede Position, jedes Asana wird mit der Einatmung eingeleitet und auf einer Ausatmung beendet, auf diese Weise wird ein Asana mit dem nächsten zu einer fließenden Übungssequenz zusammengefügt. Die tiefe, rhythmische Ujjayi Atmung beruhigt nicht nur den Geist, sondern sie erzeugt eine innere Hitze, die eine Entgiftung von Muskeln und Organen fördert und den Körper flexibel und stark macht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Blickpunkt der Augen, das so genannte Drishti. Jede Position hat ein bestimmtes Drishti; der spezifische Blickpunkt soll dazu beitragen, die Aufmerksamkeit nach Innen zu lenken und dadurch den Organismus und den Verstand weiter zu beruhigen und in weiterer Folge aus der Übungseinheit eine bewegte Meditation zu machen. Ashtanga Vinyasa Yoga ist eine bewegte Meditation, in der der Atem zum Mediator zwischen Körper und Geist gemacht wird. Kraft und Anmut, strahlende Gesundheit und Zufriedenheit können durch ein engagiertes, regelmäßiges Üben erreicht werden.


Vini Yoga

Krishnamacharya Sohn T.K.V. Desikachar gründete 1976 das Krishnamacharya Yoga Mandiram Institut in Chennai (Madras), Südindien. In diesem Stil wird auf eine individuelle Betreuung und auf therapeutische Aspekte Wert gelegt und die Verbindung zur Yoga-Philosophie Patanjalis hervorgehoben.


Iyengar Yoga

Dieser Yogastil wurde nach B.K.S Iyengar benannt. Er ist neben Sri Patthabi Jois einer der einflussreichsten Schüler von Krishnamacharya.

B.K.S. Iyengar lebt und unterrichtet in Pune, Indien. Sein Yogastil ist sehr kraftvoll und präzise. Exakte Ausrichtung und der Einsatz von unterstützenden Mitteln wie Klötzen und Gurten kennzeichnen die Iyengar Praxis. Durch diese wird im Gegensatz zu anderen Yogaschulen ein langes Verweilen in den Asanas (Haltungen) möglich. Wer daran interessiert ist die ganze physische Bandbreite und psychische Tiefe eines Asanas zu erfahren ist bei Iyengar Yoga gut aufgehoben.


Sivananda Yoga

Swami Sivananda (1887-1963) begründete seine Schule in Rishikesh, Nordindien. Sein Schüler Swami Vishnu Devananda eröffnete weltweit Yoga-Zentren. Diese Schule beinhaltet neben dem Hatha-Yoga auch Meditation, Satsang-Singen, Pranayama und Ernährungslehre. Im Grundkurs werden zwei Pranayamas und zwölf Yogapositionen geübt.


Integrales Yoga

Legt großen Wert auf Meditation und Selbsterfahrung und ist mehr geistig orientiert. Dieser Stil wurde von Sri Aurobindo in Pondicherrry, Südindien begründet.


Kriya Yoga

Ist ein mehr geistig orientierter Übungsweg mit Schwerpunkt auf Meditation und geistiger Unterweisung und wurde von Paramashansa Yogananda geprägt. Berühmt wurde er durch sein Buch "Autobiographie eines Yogi".


Ananda Yoga

Von Swami Kriyananda, einem Schüler Paramashansa Yogananda entwickelt. Arbeitet mit feinstofflichen Energien, speziell mit Chakren. Der Körper, die Seele und die Emotionen sollen harmonisiert werden, um zu einem höheren Bewusstsein zu kommen. Es ist ein sanftes, mehr nach innen gerichtetes Yoga.


Bikram Yoga

Ein im wahrsten Sinne des Wortes heißes Yoga, das bei ca. 37 Grad Celsius eine Serie von 26 Asanas trainiert wird. Dies hat den Vorteil, dass der Körper elastischer und biegsamer ist, was eine intensivere Muskel-, Sehnen- und Bänderarbeit ermöglicht und die Verletzungsgefahr herabgesetzt ist. Einen starken Kreislauf sollte man allerdings mitbringen. Der Begründer Bikram Choudhury studierte bei Bishnu Ghosh, einem Bruder von Paramashansa Yogananda.


Yin Yang Yoga

Sarah Powers machte diesen Stil populär. Sie kombinierte ihre Erfahrungen in Ashtanga Yoga, Iyengar und Viniyoga mit dem Yin Yoga von Paul Grilley. Yin Yoga hält die Asana-Positionen lange und passiv, um einen tieferen Effekt in Bändern und Gewebe zu erzeugen, die sich üblicherweise nur schwer öffnen.


Anusara Yoga

Gegründet 1997 in den USA wird Anusara auch als "Happy Yoga" bezeichnet: "Ja" zum Leben zu sagen, ganz gleich in welcher Facette es sich einem gerade präsentiert. Geübt werden vor allem Stellungen, die „das Herz öffnen“. Der Schüler soll die Liebe in seinem Herzen finden und den universellen Fluss des Lebens erkennen. Der Übungsstil ist körperlich anspruchsvoll, Anusara wird in Vinyasa-Stil oder in Einzelsequenzen geübt, dabei wird der Schwerpunkt einer Stunde meist auf einen bestimmten Körperteil gerichtet ist. Diese Yoga-Form ist vor allem geeignet für alle, die sich eine positivere Denkhaltung aneignen und die eigene Mitte finden möchten.



Aus Yoga entstandene Techniken


Pilates

Pilates ist ein Übungssystem von präzise ausgeführten Bewegungen und kontrollierter Atmung. Es schult die korrekte Körperhaltung und zielt auf das Herausbilden eines starken Muskelgürtels um die Körpermitte ab. Entwickelt wurde die Methode vor etwa achtzig Jahren von dem gebürtigen Deutschen Joseph Pilates vor allem für Tänzer in New York. Sie wird auch mit großem Erfolg zur Rehabilitation nach Sportverletzungen eingesetzt.



Nuad

Nuad, auch passives Yoga genannt, ist eine ca. 2500 Jahre alte Körperarbeit, die ihre Wurzeln in Indien hat, jedoch später überwiegend in Thailand praktiziert wurde. Im Unterschied zu Yoga bleibt man dabei durchgehend in verschiedenen Entspannungslagen und wird von einer Nuad-Praktikerin sanft und im eigenen Atemfluss gedehnt, gestreckt und in verschiedene Positionen gebracht, die an Yoga-Stellungen erinnern. Ziel einer Nuad-Sitzung ist die Verbesserung der energetischen Versorgung des Körpers, sowie das Erleben tiefer Entspannung.


Luna Yoga

Luna Yoga besteht aus sanften Spürübungen und kraftvollen Tänzen, enthält Atem- und Dehnungsübungen und arbeitet mit Entspannungstechniken. Zusätzlich unterstützen Kräutertees, ätherische Essenzen, Farben und Bäder sowie meditative Techniken Gesundungsprozesse. Luna Yoga richtet sich nach den Mondphasen und dem weiblichen Monatszyklus. Es kann helfen, Menstruations- und Wechselbeschwerden zu lindern und die Fruchtbarkeit anregen.

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